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Automatisierte Aktenanlage in Kanzleisoftware: So wird die digitale Mandatsaufnahme zum durchgängigen Prozess

Allgemein 8 Min. Lesezeit
Peter Möss

Peter Möss

Co-Founder & Commercial

Die automatisierte Aktenanlage gehört zu den wirkungsvollsten Möglichkeiten, administrative Abläufe in Kanzleien zu digitalisieren. Über einen digitalen Mandantenfragebogen oder ein zentrales E-Mail-Postfach lassen sich neue Mandate strukturiert erfassen, Dokumente verarbeiten und Akten automatisiert in der jeweiligen Kanzleisoftware anlegen.

Der Ansatz eignet sich unter anderem für Kanzleisoftwarelösungen wie RA-MICRO, Kleos, AnNoText, Advoware, Renostar, DATEV Anwalt classic und Actaport. Auch bei anderen Systemen ist eine Umsetzung grundsätzlich möglich, sofern geeignete Schnittstellen, Importfunktionen oder andere technische Integrationsmöglichkeiten vorhanden sind.

Richtig umgesetzt, reduziert eine automatisierte Aktenanlage den manuellen Aufwand im Sekretariat, verbessert die Datenqualität und beschleunigt den gesamten Prozess der Mandatsaufnahme. Aus einzelnen Arbeitsschritten entsteht ein durchgängiger digitaler Workflow.

Warum die manuelle Aktenanlage unnötig viele Ressourcen bindet

In vielen Kanzleien werden neue Akten weiterhin manuell durch Berufsträger, Rechtsanwaltsfachangestellte oder andere Mitarbeitende angelegt. Persönliche Daten, Kontaktdaten, Versicherungsinformationen, Gegnerdaten und Aktenzeichen werden aus E-Mails, Formularen und Dokumenten in die Kanzleisoftware übertragen.

Dieser Ablauf ist nicht nur zeitaufwendig. Er führt auch zu Medienbrüchen und erhöht das Risiko unvollständiger oder fehlerhafter Eingaben. Hinzu kommt, dass eingereichte Dokumente häufig manuell geprüft, umbenannt, sortiert und dem richtigen Vorgang zugeordnet werden müssen.

Gerade bei einem hohen Mandatsaufkommen entsteht dadurch ein erheblicher administrativer Aufwand. Gleichzeitig verzögert sich die weitere Bearbeitung, weil wichtige Informationen zunächst zusammengetragen und strukturiert werden müssen.

Eine digitale Mandatsaufnahme setzt genau an dieser Stelle an.

Option 1: Aktenanlage über einen digitalen Mandantenfragebogen

Bei der ersten Variante wird der bestehende Fragebogen der Kanzlei vollständig digitalisiert. Statt Informationen telefonisch, per E-Mail oder auf Papier zu übermitteln, erfassen Mandanten die erforderlichen Angaben direkt in einem digitalen Formular.

Abgefragt werden können beispielsweise:

  • persönliche Daten und Kontaktdaten
  • Angaben zur Rechtsschutzversicherung
  • Versicherungsnummern
  • Informationen zum Arbeitgeber
  • Daten zu Gegnern und weiteren Beteiligten
  • bestehende Aktenzeichen
  • fallbezogene Sachverhaltsangaben

Zusätzlich können Mandanten relevante Unterlagen direkt hochladen. Je nach Rechtsgebiet gehören dazu etwa Arbeitsverträge, Kündigungen, Gehaltsabrechnungen, Vollmachten, Korrespondenz oder andere Dokumente.

Die Kanzlei muss ihre inhaltlichen Anforderungen dabei nicht vollständig neu entwickeln. In vielen Fällen kann ein bereits bestehendes Mandantenstammblatt oder ein vorhandener Fragebogen als Grundlage verwendet und in einen strukturierten digitalen Prozess überführt werden.

Strukturierte Datenaufbereitung für die Kanzleisoftware

Nach dem Absenden des Fragebogens werden die erfassten Informationen strukturiert aufbereitet. Dabei erfolgt eine Zuordnung zu den Datenfeldern, die für die Aktenanlage in der jeweiligen Kanzleisoftware erforderlich sind.

Aus den Angaben des Mandanten können unter anderem folgende Informationen übernommen werden:

  • Stammdaten des Mandanten
  • Kommunikationsdaten
  • Beteiligte und Gegner
  • Versicherungsdaten
  • sachbearbeitende Personen
  • Referenznummern und Aktenzeichen
  • individuelle Zusatzinformationen zum Mandat

Damit die Automatisierung zuverlässig funktioniert, müssen die Datenfelder des digitalen Fragebogens eindeutig den Feldern der Kanzleisoftware zugeordnet werden. Diese Feldlogik bildet eine wesentliche Grundlage für eine stabile und nachvollziehbare Integration.

Auch Pflichtfelder, Eingabeformate und Abhängigkeiten sollten im Vorfeld definiert werden. So kann das System beispielsweise erkennen, welche zusätzlichen Angaben bei einer vorhandenen Rechtsschutzversicherung oder bei einem B2B-Mandat erforderlich sind.

Automatisierte Dokumentenverarbeitung im Rahmen der Aktenanlage

Neben den Stammdaten können auch die eingereichten Dokumente automatisiert verarbeitet werden. Das System erkennt Dokumenttypen, benennt Dateien nach den Vorgaben der Kanzlei und ordnet sie der richtigen Akte oder einem definierten Unterordner zu.

Ein Arbeitsvertrag kann beispielsweise als solcher erkannt und entsprechend benannt werden. Gleiches gilt für Kündigungsschreiben, Vollmachten, Gehaltsabrechnungen, Ausweisdokumente oder Versicherungsunterlagen.

Auch die technische Qualität der Dokumente lässt sich verbessern. Fotografierte Unterlagen können automatisch gedreht, zugeschnitten und für die weitere Verarbeitung optimiert werden. Durch eine Texterkennung werden die Inhalte maschinenlesbar und können anschließend durchsucht, klassifiziert oder für weitere Automatisierungen verwendet werden.

Auf diese Weise beginnt ein strukturiertes Dokumentenmanagement bereits bei der Mandatsaufnahme und nicht erst nach der manuellen Anlage der Akte.

KI-gestützte Prüfung auf Vollständigkeit und Plausibilität

Eine KI kann die erfassten Daten und Dokumente zusätzlich auf Vollständigkeit und Plausibilität prüfen. Dabei geht es nicht darum, die fachliche Verantwortung auf ein System zu übertragen. Ziel ist vielmehr, fehlende Angaben, erkennbare Widersprüche oder ungewöhnliche Zuordnungen frühzeitig sichtbar zu machen.

Die Prüfung kann beispielsweise erkennen, ob:

  • notwendige Kontaktdaten fehlen
  • Pflichtfelder nicht ausgefüllt wurden
  • ein hochgeladenes Dokument nicht zur angegebenen Kategorie passt
  • Angaben im Fragebogen und in den Dokumenten voneinander abweichen
  • relevante Unterlagen für den jeweiligen Vorgang fehlen
  • Datumsangaben oder Referenznummern unplausibel erscheinen

Bei B2B-Mandaten können Unternehmensinformationen zusätzlich aus verfügbaren Registern oder angebundenen Datenquellen übernommen und mit den eingereichten Angaben abgeglichen werden. Dadurch reduziert sich der manuelle Rechercheaufwand und die Kanzlei erhält strukturierte Unternehmensdaten für die weitere Bearbeitung.

Kontrollschritt vor der automatisierten Aktenanlage

Eine vollständige Automatisierung bedeutet nicht, dass auf menschliche Kontrolle verzichtet werden muss. In vielen Kanzleien ist ein optionaler Prüfschritt sinnvoll, bevor die Akte tatsächlich angelegt wird.

Dieser Kontrollschritt funktioniert wie ein digitaler Türsteher. Alle erfassten Angaben, Dokumente und vorgeschlagenen Zuordnungen werden in einer übersichtlichen Ansicht dargestellt.

Die verantwortliche Person kann den Vorgang anschließend:

  • prüfen
  • korrigieren
  • bestätigen
  • zur Ergänzung zurückgeben
  • ablehnen

Die Kanzlei kann selbst festlegen, wer diese Prüfung übernimmt. Je nach Organisationsstruktur kann der Vorgang durch einen Berufsträger, eine Rechtsanwaltsfachangestellte oder eine andere zuständige Person kontrolliert werden.

Erst nach der Freigabe wird die Aktenanlage in der Kanzleisoftware ausgelöst. Dieses Vorgehen verbindet die Vorteile der Automatisierung mit einer klaren Qualitätssicherung.

Option 2: Vollautomatisierte Aktenanlage über ein zentrales E-Mail-Postfach

Alternativ kann der Prozess über ein zentrales E-Mail-Postfach gestartet werden. Neue Mandatsanfragen, Dokumente und Informationen gehen an einer definierten E-Mail-Adresse ein und werden von dort automatisiert verarbeitet.

Das System analysiert den Inhalt der Nachricht und die vorhandenen Anhänge. Relevante Daten werden extrahiert, Dokumente klassifiziert und die Informationen für die Kanzleisoftware aufbereitet.

Der Prozess kann unter anderem folgende Schritte umfassen:

  1. Eingang und Analyse der E-Mail
  2. Erkennung von Mandanten, Gegnern und weiteren Beteiligten
  3. Extraktion relevanter Stamm- und Falldaten
  4. Klassifizierung und Umbenennung der Anhänge
  5. Prüfung auf Vollständigkeit und Plausibilität
  6. Zuordnung zum zuständigen Rechtsgebiet oder Sachbearbeiter
  7. Anlage der Akte in der Kanzleisoftware
  8. Ablage der Dokumente in der vorgesehenen Struktur

Diese Variante eignet sich besonders für Kanzleien, in denen neue Mandate überwiegend per E-Mail eingehen oder in denen sich die Nutzung eines vorgeschalteten Mandantenportals nicht für jeden Anwendungsfall anbietet.

Vom Einzelschritt zum durchgängigen digitalen Workflow

Der größte Nutzen entsteht nicht allein dadurch, dass Stammdaten automatisch in eine Kanzleisoftware übertragen werden. Entscheidend ist die Verbindung der einzelnen Arbeitsschritte.

Digitale Mandatsaufnahme, Datenextraktion, Dokumentenverarbeitung, Qualitätssicherung und Aktenanlage sollten nicht als getrennte Projekte betrachtet werden. Sie bilden gemeinsam einen durchgängigen Prozess.

Ein solcher Workflow kann beispielsweise mit der automatisierten Erstellung von Vollmachten, Mandatsbedingungen oder Eingangsbestätigungen fortgeführt werden. Ebenso lassen sich Aufgaben für zuständige Mitarbeitende anlegen, Wiedervorlagen erstellen oder interne Benachrichtigungen versenden.

Die Aktenanlage wird damit zum Ausgangspunkt weiterer Automatisierungen innerhalb der Kanzlei.

Voraussetzungen für eine zuverlässige Umsetzung

Eine erfolgreiche Automatisierung beginnt mit einer detaillierten Analyse des bestehenden Prozesses. Bevor technische Lösungen ausgewählt werden, sollte geklärt werden, welche Informationen tatsächlich benötigt werden und wie diese heute verarbeitet werden.

Besonders relevant sind dabei folgende Fragen:

Welche Daten werden für die Aktenanlage benötigt?

Die Kanzlei sollte definieren, welche Angaben verpflichtend sind, welche Informationen nur in bestimmten Rechtsgebieten benötigt werden und welche Daten zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt werden können.

Welche Dokumentenarten gehen regelmäßig ein?

Eine Übersicht typischer Dokumente bildet die Grundlage für die automatische Erkennung, Benennung und Ablage. Auch bestehende Namenskonventionen und Ordnerstrukturen sollten berücksichtigt werden.

Welche Ausnahmen treten im Prozess auf?

Nicht jeder Vorgang lässt sich vollständig standardisieren. Deshalb müssen Sonderfälle, unvollständige Anfragen und unklare Zuordnungen in der Prozesslogik berücksichtigt werden.

Welche technischen Integrationsmöglichkeiten bietet die Kanzleisoftware?

Je nach System kann die Anbindung über eine Programmierschnittstelle, einen strukturierten Datenimport, Automatisierungssoftware oder eine Kombination verschiedener Technologien erfolgen.

An welcher Stelle ist eine menschliche Freigabe erforderlich?

Die Kanzlei sollte bewusst entscheiden, welche Schritte vollständig automatisiert ablaufen können und an welchen Stellen eine Kontrolle sinnvoll oder organisatorisch erforderlich ist.

Welche Vorteile bietet die automatisierte Aktenanlage?

Eine strukturierte Automatisierung kann den gesamten Aufnahmeprozess eines neuen Mandats verbessern.

Der manuelle Erfassungsaufwand sinkt, weil Daten nicht mehrfach übertragen werden müssen. Dokumente stehen schneller in einer einheitlichen Struktur zur Verfügung. Fehlende Angaben werden früher erkannt und Rückfragen können gezielter gestellt werden.

Gleichzeitig verbessert sich die Nachvollziehbarkeit. Jeder Verarbeitungsschritt lässt sich dokumentieren, Zuständigkeiten können eindeutig zugeordnet und Kontrollmechanismen gezielt eingebaut werden.

Für Berufsträger bedeutet dies eine Entlastung von administrativen Tätigkeiten. Das Sekretariat muss weniger Zeit für wiederkehrende Dateneingaben und Dokumentenablagen aufwenden. Mandanten profitieren von einem klaren, professionellen und zügigen Aufnahmeprozess.

Fazit: Die Aktenanlage ist ein sinnvoller Einstieg in die Kanzleiautomatisierung

Die automatisierte Aktenanlage ist ein besonders geeigneter Einstieg in die Digitalisierung von Kanzleiprozessen. Der Ablauf ist klar abgrenzbar, wiederholt sich regelmäßig und besteht aus zahlreichen standardisierbaren Arbeitsschritten.

Über einen digitalen Mandantenfragebogen oder ein zentrales E-Mail-Postfach können Daten strukturiert erfasst, Dokumente automatisiert verarbeitet und neue Akten in der Kanzleisoftware angelegt werden. Ein optionaler Kontrollschritt stellt sicher, dass die Kanzlei jederzeit die Kontrolle über den Prozess behält.

Entscheidend ist eine Umsetzung, die sich an den tatsächlichen Abläufen der Kanzlei orientiert. Nicht das einzelne Tool steht im Mittelpunkt, sondern ein stabiler Gesamtprozess, der Datenqualität, Effizienz und verlässliche Verantwortlichkeiten miteinander verbindet.

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